Das Intendantenensemble für
das Theater Neumarkt
Bewerbung für die Direktion
ab Spielzeit 2013/2014
I. Eröffnendes Plädoyer
von Prof. Dr. Wolfgang Schneider
Theaterpolitik. Referenz für ein
Intendantenensemble
Die Angst gehe um, am Staatstheater Cottbus, dem Dreispartenhaus in Brandenburg, das „Strukturbereinigungen“ durch Stadt und Land zu erwarten hat – so war es am Freitag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen. „Theaterinsolvenz in Schwerin abgewendet“ titelte am Samstag das Feuilleton der Frankfurter Rundschau. Gebraucht werde eine Theaterreform für das ganze Land. Und heute am Sonntag sitze ich am Schreibtisch und schreibe eine Referenz für Absolventen und Studierende der Hildesheimer Kulturwissenschaften, die sich um die Intendanz des Zürcher Neumarkttheaters bewerben.
Ich kenne die Damen und Herren aus meinen Seminaren und Übungen, sie haben bei mir Referate gehalten und Hausarbeiten geschrieben. Sie sind künstlerisch produktiv, haben etwas zu sagen, haben etwas zu zeigen – und auch davon konnte ich mich überzeugen ebenso wie von ihrer Kompetenz in Kulturpolitik, Kulturmanagement und Kulturvermittlung.
Die Idee, mit der sie nun in der Schweiz vorstellig werden, ist ungewöhnlich, aber auf gar keinen Fall unrealistisch. Das derzeitige deutschsprachige Theatersystem ist strukturell, inhaltlich und ästhetisch an einem Scheidepunkt - siehe oben. Entweder es bleibt wie es ist, dann ist es wohl oder übel nicht mehr zu finanzieren, dann wird es über kurz oder lang an der Nachfrage scheitern und dann geht mir nicht dir nichts ein Weltkulturerbe zugrunde, dass einmal belebendes Element der künstlerischen Selbstreflektion unserer Gesellschaft gewesen ist.
Oder, ja oder? Die Darstellenden Künste werden neu erfunden, nicht nur auf den Bühnen, sondern auch in Produktion, Distribution und Rezeption. Statt Hierarchie ein Kollektiv, statt Event Intervention, statt sich von Haushalt zu Haushalt zu hangeln ein gesichertes Budget für ein permanentes Projekt. Das traue ich dieser jungen Generation zu; denn die ist die Zukunft der Stadtgesellschaft. Und sie wollen Ihre Stadt gestalten. Das ist Motivation genug. Potential ist da, alle Hildesheimer haben bereits professionelle Erfahrungen, und zwar in allen Gewerken des Gesamtkunstwerks.
Das sind gute Voraussetzungen, beste Chancen, etwas zu verändern: Substanz, Relevanz, Brisanz, davon zeugt ihre Bewerbung, ihr Konzept, ihr Spiel-Plan. Vor allem zeugt ihr Engagement von Motivation und Vision, Lust und Leidenschaft, Aktionismus und Kontinuität: „freie, dynamische Arbeitsformen in der stabilen Architektur eines Stadttheaters“ das will man sehen, erleben, überprüfen. Das Theater muss sich verändern, am besten von innen heraus, um Theaterkunst möglich zu machen für mehr Qualität und mehr Publikum.
Ich empfehle dem Neumarkttheater in Zürich sich auf das Intendantenensemble einzulassen, als ein europäisches Modell, das zur rechten Zeit mit einem klugen Konzept und den richtigen Leuten die Zukunft des Theaters durchzuspielen bereit ist.
Professor Dr. Wolfgang Schneider,
Geschäftsführender Direktor des
Instituts für Kulturpolitik der Stiftung
Universität Hildesheim
2. Das Intendantenensemble
für das Theater Neumarkt
2.1 Das Intendantenensemble
Wir schlagen eine Vision des Stadttheaters vor, die eine umfassende Umstrukturierung der künstlerischen Leitung verlangt. Zu zehnt bewerben wir uns auf den Posten der Intendanz, um als geschlossene Gruppe gemeinsam die kuratorischen und künstlerischen Aufgaben des Neumarkts zu übernehmen. Wir verzichten auf die herkömmlichen Positionen eines künstlerischen Leitungsteams und setzen auf ein enthierarchisiertes Zusammen.
Allesamt Sprösslinge der Freien Szene, sind wir es gewohnt in unterschiedlichen Positionen gleichzeitig fruchtbar zusammen zu arbeiten und festgefahrene Rollen, sowohl im Produktionsprozess als auch in der Repräsentation unserer Arbeit, aufs Spiel zu setzen. Wir bewegen uns in den Funktionen Regie, Dramaturgie, Schauspiel, Programmierung, Organisation, Konzeption, Produktion und wechseln in ihnen dynamisch. Das bedeutet, dass wir nicht bedingungslos kollektiv arbeiten, sondern für die Erarbeitung künstlerischer Produktionen und Events durchaus Arbeitsteilungen vorsehen, die jedoch von Projekt zu Projekt umbesetzt werden können. Damit wollen wir statische Strukturen und festgefahrene Kommunikation vermeiden und uns dazu zwingen, uns immer wieder neu mitteilen und erfinden zu müssen. Das Intendantenensemble verspricht dem Theater Neumarkt künstlerische Diversität in Theaterästhetiken und Produktionsweisen. Wir behaupten nicht zu wissen, wie es geht, sondern setzten uns permanent mit uns und der Öffentlichkeit auseinander. Wir machen uns bewusst angreifbar.
Als Intendantenensemble bewerben sich (v.l.n.r.) Anna Fries, Kristofer Gudmundsson,
Martin Grünheit, Juliane Hahn, Gesine Hohmann, Yves Regenass, Markus Schäfer,
Wanja van Suntum, Jasper Tibbe und
Markus Wenzel. Die zehn TheatermacherInnen sind oder waren sämtlich Studierende der Kulturwissenschaften oder Szenischen Künste an der Universität Hildesheim. Innerhalb dieses Kontextes gründeten sie verschiedene Theatergruppen (➞ 6.2) und das Theaternetzwerk
cobratheater.cobra. Sie arbeiteten in verschiedenen Konstellationen als Regis-
seurInnen, DramaturgInnen, ProduzentInnen und PerformerInnen miteinander.
Im Laufe ihres Studiums haben sie sich außerdem mit anderen theaterpraktischen Studiengängen und Orten vernetzt – insbesondere mit der HfMT Hamburg,der ZHdK in Zürich und der Folkwang UdK Essen, dem Ballhaus Ost und dem Hebbel am Ufer Berlin. Ihre Produktionen liefen bei zahlreichen Festivals im deutschsprachigen und europäischen Raum.
2.2 Wir als Material der Stadt
Stellen Sie sich vor:
Das Intendantenensemble steht für den Klassiker der Saison selbst auf der Bühne.
Das Intendantenensemble kellnert während
Dorothee Elmiger aus ihrem neuen Buch liest.
Das Intendantenensemble hütet am Samstagvormittag die Kinder seines Publikums.
Unser Vorhaben ist keine programmatische Abkehr vom gängigen Stadttheater, sondern die Intensivierung des Verhältnisses zwischen KünstlerInnen und BürgerInnen einer Stadt. Wir sind keine Person des öffentlichen Lebens, die ab und zu Interviews gibt oder sich auf Veranstaltungen zeigt, aber für das Publikum die unnahbare Kunstschaffende bleibt. Das Intendantenensemble geht in die Stadt und bietet ihren Bewohnern an, es kennen zu lernen, auszufragen und anzuzweifeln. Das Intendantenensemble setzt auf die Gastfreundschaft und den Dialog, es setzt auf Theater als sozialen Ort, an dem sich getroffen und verhandelt wird (➞ 3.1). So soll offensiv mit der Frage nach dem Dienstleistungsverhältnis zwischen Kunstschaffenden und Bevölkerung umgegangen werden.
Da wir auf ein Schauspielensemble verzichten und mit GastschauspielerInnen arbeiten wollen, werden wir versuchen, uns durch die Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und die Identifikationsfiguren zu sein, die sonst am Theater die SchauspielerInnen darstellen.
2.3 Transparenz
Stellen Sie sich vor:
Das Intendantenensemble veröffentlicht sämtliche seiner Ausgaben in einem Schaukasten.
Dem Intendantenensemble kann man im Internet live bei der wöchentlichen Sitzung zuschauen.
Transparenz soll die interne und externe Kommunikation bestimmen. Durch sie exponieren wir uns als Material der Stadt. Wir sind keine genialischen KünstlerInnen, die nur im Verborgenen an ihren Kreationen arbeiten und sie der Welt erst präsentieren, wenn sie fertig sind. Wir zeigen, dass Kunst Arbeit ist. Wir betonen das Prozesshafte künstlerischer Arbeit und stellen das theatrale Potential des Alltags in den Fokus.
2.4 Das Neumarkt: Tradition des Experiments
Wir führen die Tradition des Theater Neumarkt fort, sowohl auf der Ebene zeitgenössischer experimenteller Theaterformen, als auch auf der Ebene der Strukturierung des Hauses. Diese zwei Komponenten stellen das Alleinstellungsmerkmal des Neumarkt dar. Wir meinen damit einmalige Versuchsaufbauten wie Horst Zankls Mitarbeiter-Mitbestimmungssystem einerseits und andererseits progressive Theaterästhetiken, für die das Theater Neumarkt schon immer einen Ort geboten hat.
Unser Konzept zeichnet sich dadurch aus, dass wir die Traditionen des Experiments auf struktureller und künstlerischer Ebene nicht nur weiter-, sondern zusammenführen. Das Intendantenensemble will mit seiner Kollektivführung bewegliche Arbeitsformen in der stabilen Architektur eines Stadttheaters installieren und ausgehend von dieser Struktur zeitgenössische Theaterformen etablieren. Diese Positionierung verleiht dem Theater Neumarkt unter den zahlreichen Theatern der Stadt Zürich ein absolut eigenständiges Profil.
3. Formate und Inszenierungen
3.1 Überblick
Unser Programm gliedert sich in zwei Teile:
Die Formate und die Inszenierungen.
Die Formate: Für das Theater Neumarkt haben wir elf Formate entwickelt. Dort liegen die Schwerpunkte auf der Prozessualität von Theater, szenischer Forschung, der Repräsentation des Intendantenensembles und der Öffnung des Neumarkts hin zum Stadtraum Zürich und seinen BewohnerInnen.
Die Inszenierungen: Das Intendantenensemble besteht aus zehn jungen Theaterschaffenden, die in verschiedenen Formationen bereits sehr unterschiedliche ästhetische Handschriften entwickelt haben. Jede/r von uns gehört mindestens einer der folgenden freien Theatergruppen an: vorschlag:hammer, machina eX, James & Priscilla, cobratheater.cobra, Markus&Markus und Schießbühne (➞ 6.2). Diese Gruppen sollen für die erste Spielzeit jeweils eine Inszenierung produzieren (➞ 3.3), die ins Repertoire aufgenommen wird. Diese Art das Repertoire zu gestalten, soll so nur für das erste Jahr verfolgt werden. Ab dem zweiten Jahr sollen sich die Konstellationen aus Mitgliedern des Intendantenensembles, Gästen der eben genannten Theatergruppen und weiteren Gästen vermischen.
3.2 Formate
Cuntravent
Beim Format Cuntravent engagiert das Intendantenensemble GastkünstlerInnen für die Realisation einer eigenen Produktion am Neumarkt. Das Format soll alternative künstlerische Produktionsweisen im Spielplan verankern und die ästhetische Diversität des Theaters ergänzen. Die Produktion wird von einem Mitglied des Intendantenensembles begleitet. Angestrebt wird die Zusammenarbeit mit Theaterkollektiven und RegisseurInnen, namentlich Andcompany&Co, Schorsch Kamerun, Stefan Pucher oder She She Pop.
Turnus:
zweimal jährlich.
El Klassiko
Das Intendantenensemble stellt sich zur Verfügung und wird von einem/einer renommierten KünstlerIn inszeniert. Zu Beginn jeder Spielzeit werden wir als PerformerInnen auf der Bühne stehen, einen Klassiker spielen uns so dem Zürcher Publikum vorstellen. Wir werden von Laurent Chétouane in einer Hamletinszenierung als TänzerInnen oder von Karin Beier als Die Räuber in Szene gesetzt.
Wir freuen uns sehr, hier bereits zwei mündliche Zusagen bekanntgeben zu können. Für El Klassiko haben sich Sebastian Nübling und Laurent Chétouane bereit erklärt, das Intendantenensemble zu inszenieren.
Turnus: jährlich.
Stethoskop
Stethoskop ist ein Format mit investigativ-journalistischem Interesse. Jeweils ein oder zwei Mitglieder des Intendantenensembles recherchieren ein Thema, das an eine Person oder eine Gruppe aus der Zürcher Bevölkerung geknüpft ist, z.B. Migrosangestellte, SterbehilferInnen oder RentnerInnen. So soll ein szenisch-dokumentarischer Abend erarbeitet werden, bei dem die BürgerInnen als Akteure auf der Bühne stehen. Die Stethoskop-Abende werden in den Spielplan übernommen.
Turnus: monatlich.
Molto Ambiente
Wir laden etablierte KünstlerInnen anderer Disziplinen ein, das Abendprogramm zu gestalten. In diesem Rahmen finden Lesungen, Konzerte oder Kabarettaufführungen statt. Einmal liest Franz Hohler aus seinen Erzählungen, ein anderes Mal singt Maya Boog in intimer Atmosphäre. Gerahmt wird der Abend durch die Gastgeberrolle des Intendantenensembles. Wir nehmen den Gästen die Mäntel ab, servieren das Essen und schenken Wein nach.
Turnus:
zweimal im Monat.
Labor Neumarkt
Wir eröffnen in einem Proberaum ein Theaterlabor, in dem das ganze Jahr über szenisch geforscht wird. Mindestens ein Mitglied des Intendantenensembles und gegebenenfalls Gäste haben jeweils zwei Wochen Zeit eine ästhetische Forschungsfrage zu bearbeiten. Die untersuchten Themen können vielfältig sein: Vom Versuch eine Bundesratssitzung in eine chorische Sprechform zu übersetzen bis zur Auslotung der theatralen Möglichkeiten des Objekts Glühbirne ist alles denkbar. Nach Ablauf der zwei Wochen wird der Stand der Forschung vor Publikum zur Aufführung gebracht. Hiermit eröffnen wir einen Raum, der so weder im Stadttheater noch in der Freien Szene existiert. Wir möchten künstlerische Forschung auch ausserhalb der Universitäten etablieren und ihr eine Öffentlichkeit geben.
Turnus:
alle zwei Monate, alternierend
mit Labor Welt.
Labor Welt
Unser Forschungslabor lädt Gäste aus dem vorwiegend aussereuropäischen Ausland ein. Diese bewerben sich bei uns mit einer Forschungsfrage, der sie während den zwei Wochen ihres Zürich-Aufenthalts nachgehen. Am Ende steht auch hier die Präsentation des Forschungsstandes.
Turnus:
alle zwei Monate, alternierend mit
Labor Neumarkt.
Event
Unser Event ist ein einmaliges, feierliches Grossereignis und wird zu einem übergeordneten Thema entwickelt. Ausgangspunkt für ein Event könnte sein: Der Ägyptische Totenkult, Dionysien Heute oder die Schlacht von Waterloo. Ein Event folgt einer übergeordneten Dramaturgie, unter der sich Kleinstaufführungen, Shows, Filme, Vorträge, Festessen bis hin zu Marathoninszenierungen sammeln. So kann ein Event abendfüllend oder mehrtägig sein.
Turnus:
drei- bis viermal im Jahr.
Happening
Das Intendantenensemble geht mit spontanen, nicht im Spielplan verankerten Aktionen in den Stadtraum. Das Happening ist in seiner Produktion und Umsetzung schnell und flexibel und kann sich so zum Beispiel zum Tagesgeschehen der Stadt Zürich positionieren. Damit erobern wir den Stadtraum als theatralen und diskursiven Ort. Das Happening steht als künstlerische Aktion für sich selbst und macht das Theater Neumarkt öffentlich sichtbar.
Turnus:
unregelmässig.
Rendez-vous Déjà-vu
Im Anschluss an bestimmte Aufführungen laden wir die Zuschauer zum kulinarischen Nachgespräch ein. Das Prinzip Theaterkantine wird für das Publikum geöffnet und ins Foyer übertragen. Ziel ist eine ungezwungene Durchmischung von Publikum und Produktionsbeteiligten. Das Zusammenkommen bleibt freiwillig und offen und soll zu persönlichen Gesprächen führen.
Turnus:
dreimal im Monat.
Freizeitspass mit dem Intendantenensemble
Wir organisieren unsere Freizeit und machen sie öffentlich. Einmal wöchentlich laden wir unser Publikum ein zu einer Stunde Sport, Müssiggang oder gemeinsamen Unternehmungen. Wir spielen Minigolf oder braten einen Chlöpfer. Das Intendantenensemble zeigt sich so als Gruppe und gleichzeitig als BürgerIn der Stadt Zürich. Das Publikum ist dazu eingeladen, uns Vorschläge für gemeinsame Tätigkeiten zu machen.
Turnus:
wöchentlich.
L‘Equipe Neumarkt
Kontinuierlich betreut das Theater Neumarkt zwei für jeden offene Angebote, eins für Jugendliche und eins für Senioren. Wir sprechen mit diesem Format die nichtprofessionellen Theaterbegeisterten an, die sogenannten Amateure, die Liebhaber. Beide Gruppen treffen sich über die Spielzeit hinweg ein- bis zweimal pro Woche. Ziel ist je eine Theateraufführung, die am Ende der Spielzeit präsentiert wird.
Turnus:
jährlich.
3.3 Die Inszenierungen
machina eX:
Intuitus absolutus
Eine Verschwörung der Zürcher Wissenschafts- und Wirtschaftselite wird aufgedeckt. Eine Geheimloge mit einflussreichen Vertretern aus dem Banken- und Politwesen, sowie namhafte Physikprofessoren arbeiten an einem geheimen Masterplan. An der ETH wird ein Mikrochip entwickelt, der nach dem Implantieren in den menschlichen Körper sämtliche Wahrnehmungsfunktionen aufzeichnet und an einen Zentralrechner schickt. Eine vollkommen neue Spionagetechnik steht kurz vor dem Durchbruch. Doch unterschiedliche Interessen hinsichtlich der Verwendung der revolutionären Technik führen unter den Logenmitgliedern einen Zwist herbei. Eine Festplatte mit wichtigen Bauplänen ist verschwunden, sie droht an fremde Regierungen verkauft zu werden.
Die Zuschauer-/SpielerInnen von intuitus absolutus heften sich an die Fersen einer jungen Journalistin, die sich an die Aufklärung der Verschwörung gewagt hat. Dabei durchleben sie drei Levels an drei unterschiedlichen Schauplätzen. Als erstes müssen die SpielerInnen der Journalistin helfen, in den Versammlungsraum der Geheimloge zu gelangen. Als Ort ist hierfür etwa ein Kirchengewölbe vorgesehen. Dort sucht die Journalistin nach Hinweisen zur Verschwörung und beginnt die Geschichte zu rekonstruieren. Dabei findet sie die Nachricht, dass ihr Bruder von Mitgliedern der Geheimloge entführt worden ist. Die Journalistin wird erpresst und erhält den Auftrag, die verschwundene Festplatte wieder zu finden. Der zweite Teil spielt in einer Räumlichkeit der Zürcher UBS. Hier gilt es, ein noch unbekannten Schliessfach mit den geheimen Bauplänen zu finden. Der dritte Teil ereignet sich in der ETH. Von den Zuschauer-/SpielerInnen wird die Forschungseinrichtung der Geheimloge aufgesucht. Es kommt zum finalen Showdown. Gelingt es, den Bruder zu befreien? Gelingt die Flucht aus dem überwachten Gebäude? Was passiert mit den Forschungsergebnissen der Geheimloge? Der Ausgang der Geschichte ist variabel.
Wie schon in den vorherigen Projekten arbeitet machina eX auch bei intuitus absolutus site specific. So sollen die tatsächlich vorhandenen Räume mit einer in Zürich spielenden fiktiven Geschichte überlagert werden. Dabei interagieren die Zuschauer-/SpielerInnen mit dem Raum und den Objekten der Ausstattung, lösen Rätsel um die Geschichte zu verstehen und den Theaterabend voran zu treiben. Wenn ein Rätsel gelöst werden muss verfällt die Inszenierung in einer Schleife. So wird markiert dass es für die SpielerInnen nun an der Zeit ist, die Dinge vorübergehend selbst in die Hand zu nehmen.
Erstmalig sieht das vorliegende Konzept für größere, inszenierte Ortswechsel vor. Das Spiel soll tief in die Stadt und ihre Orte eindringen und ein oszillierendes Verhältnis zwischen Fiktion und Realität hervorrufen. Die Wegstrecken legen die Zuschauer/Spieler mit Taxen zurück, die zum Teil der Inszenierung werden. Neben der UBS und der ETH soll demnach auch eine Taxizentrale zum Kooperationspartner werden.
vorschlag:hammer:
Österreichisch-ungarische Nordpolexpedition – Ein Abenteuer in der Schweiz
Im Jahr 1872 machte sich eine österreichisch-ungarische Expedition mit Jägern und Bergsteigern besatzt auf den Weg, den Nordpol zu erkunden. Sie blieb zwei Polarnächte im Eis stecken, entdeckte schliesslich Land und benannte es nach ihrem Kaiser Franz Joseph. Anhand dieses historischen Ereignisses begibt sich vorschlag:hammer auf die theatrale Suche in die Schweiz.
Die liegt abseits des imperialistischen Weltkampfs und nahe den Naturgewalten. Abseits von Klimaerwärmung und Arktikschmelze, nicht ganz im Fokus der globalen Politik, hat sie ihre Ressourcen schon gefunden, während andere verzweifelt nach neuen suchen. Die Schweiz ist auch Rückzugsort, ein Ort der Ruhe und Beschaulichkeit. Zwar hatte die Schweiz nie Kolonien, doch Schweizer sind trotzdem als eifrige Abenteurer und elende Söldner in die Kolonialkriege gezogen. Zuhause gab es immer reichlich Berge und Waghalsige, die sich in ihnen bewegen. Die Schweiz produziert Abenteuer und Abenteurer und schafft sie auf den Markt. Wir folgen ihrem Ruf und wollen ein Theater bauen. Frei nach Christoph Ransmayrs Roman Die Schrecken des Eises und der Finsternis fragen wir uns, was bedeutete die Expedition aus politischer Sicht und individuell für die Besatzung und was für uns? Woher kommt heute der Reiz, sich in einer komplett kartographierten und zugänglichen Welt dem Paradox der kontrollierten Kontrolllosigkeit auszuliefern, nach Abenteuern zu lechzen, mit Rüdiger Nehberg romantisch zu werden?
Wir fordern Abenteuer auf der Bühne. Wir versuchen eine lustvolle und spannende Kontrolllosigkeit in einen ausgearbeiteten Bühnenabend zu integrieren und suchen nach einem Rahmen, der uns schutzlos und planlos werden lassen kann, um uns auszuliefern. Wir entwerfen das Live-Erlebnis der Aufführung als Expedition mit bekannten Mitteln aber teilweise unklaren Parametern. So wollen wir uns mit dem Unberechenbaren einer Theateraufführung befassen und die Aufführung für dieses öffnen.
Zwischen reisserischem Nachstellen physischer Grenzerfahrung und dem Versuch Situationen zu generieren, in denen sich die Performer aufs Glatteis bedingter Kontrollierbarkeit wagen; zwischen effekthascherischem Bühnenzauber und der Langeweile der Polarnacht. Wir wünschen uns Österreich in der Schweiz und ein Abenteuer für die Schweiz.
Schießbühne:
Fort Yuma
Es war im März 2009 als das Unsägliche geschah. Die Schweiz hatte angekündigt ihr Bankgeheimnis bei Steuerhinterziehung zu lockern und künftig die Standards der OECD zu befolgen. Sie hatte eingelenkt, weil eine „schwarze Liste“ aufgetaucht war, auf der sie als Steueroase gebrandmarkt werden sollte. Es war in diesen Tagen, dass Peer Steinbrück sprach:
„Dass eine solche Liste erarbeitet werden könnte, ist umgangssprachlich formuliert, die siebte Kavallerie im Fort Yuma, die man auch ausreiten lassen kann. Aber die muss nicht unbedingt ausreiten. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt.“
In der Schweiz wirkten Steinbrücks Worte wie ein Artillerieangriff. Seine rhetorische Gewalttat brachte Lawinen der Entrüstung ins Rollen. Von den Deutschen nicht als souveräner Staat, sondern als indigenes Volk eines Reservats betrachtet zu werden, schürte das traditionsreiche Misstrauen des nicht ernst genommenen kleinen Binnenstaates, das nicht zuletzt auf sprachlichem Missverständnis fusst. Der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer sagte in der NZZ:
„Herr Steinbrück kommt mir so vor wie ein ganz normaler deutscher Kunde, der in den Laden kommt und sagt: Ich krieg die Wurst da! Und dann kriegt er sie und bezahlt sie. Das würde ein Schweizer nie tun. Der würde sagen: Darf ich bitte möglicherweise dieses Würstlein dort haben, bitte sehr? Und an diesem Kulturunterschied im Sprechen scheitert auch das Jetzige. (..) Die Deutschen nehmen nach 50 Jahren die Schweizer erstmals überhaupt wahr, und sehen sie nicht mehr nur als liebe Zwerge, bei denen man Ferien machen kann.“
Das Problem ist, dass sich Deutsche und Schweizer in Wahrheit so gut wie gar nicht kennen, sich aber zu kennen glauben. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ist auf beiden Seiten geprägt von Klischees, so wie kaum irgendwo in Europa zwischen zwei Nachbarstaaten. Fort Yuma bringt dieses kulturelle Missverständnis auf die Bühne. Wir nehmen Peer Steinbrück beim Wort. Seine Metapher von Kavallerie und Indianern bildet den Ausgangspunkt der Inszenierung, in der Indianer wilde Tänze aufführen, während die Kavallerie hufscharrend ihr Drohpotential aufbaut und zum Angriff bläst. Zwischen all den Federschmuck mischen sich Sennenhüte und Würste, sprachliche und vertanzte Klischees, und ob es sich um Friedenspfeifen oder Alphörner handelt ist auch nicht ganz klar. Während die Indianer mit schweizerischer Langsamkeit ums Feuer tanzen, rollt die Kavallerie mit deutscher Gründlichkeit und Pünktlichkeit heran. Am Ende stehen ein absurdes Initiationsritual und ein Schweizerdeutschkurs für Einwanderer. Umgesetzt wird Fort Yuma durch ein Ensemble, das sich aus Schweizern und Deutschen, Tänzern und Schauspielern zusammensetzt.
James & Priscilla:
Tell Wilhelm I‘m Wondering
Unser Stückentwurf für „Tell Wilhelm I’m Wondering“ basiert auf drei Vorlagen: Dem Drama von Friedrich Schiller, der Erzählung „Wilhelm Tell für die Schule“ von Max Frisch und dem bekannten Hollywood-Film „Forrest Gump“. Die Idee, „Forrest Gump“ und „Wilhelm Tell“ zu kombinieren, liegt an den Gemeinsamkeiten, die wir in den titelgebenden Figuren sehen. Beide sind einfach gestrickt, naiv, unpolitisch, ehrlich und bodenständig. Sie haben ein klares, fest umrissenes Weltbild, dem sie blind vertrauen. Trotz ihrer scheinbar friedlichen Natur üben beide körperliche Gewalt aus: Tell ist Jäger – Gump nimmt am Vietnam-Krieg teil, Tell erschiesst den Landvogt Gessler – Gump verprügelt mehrmals Männer, die seiner Geliebten Jenny zu nahe kommen. Und beide erfahren fast ausschliesslich Bestätigung für ihr Handeln: Tell wird als Befreier der Schweiz gefeiert, Gump als Kriegsheld. Beide handeln emotional und intuitiv „richtig“. Unsere Inszenierung soll zeigen, was passiert, wenn dieses Verhalten nicht zufällig „richtig“ ist, wenn ein einfaches auf höhere Gerechtigkeit (Schiller: heilige Natur) bauendes Weltbild nicht mehr funktioniert, wenn unlösbare Konflikte entstehen.
Unsere Bearbeitung von Wilhelm Tell soll das Drama nicht dekonstruieren, indem es z.B. Tell als gewissenlosen Mörder darstellt, sondern durch die Verbindung mit der extrem sympathischen Figur des Forrest Gump die Ambivalenz von Naivität darstellen. Neben vier Darstellern wird es in dieser Inszenierung zwei Musiker (einen Gitarristen und einen Schlagzeuger) geben, denn die Darsteller werden zeitgenössische Popsongs singen. Diese stellen mit ihrer popkulturellen Naivität („All you need is love“) insbesondere durch die Songtexte eine Verbindung zu „Wilhelm Tell“ und „Forrest Gump“ her, sowohl zu den Hauptfiguren, als auch zu der geschlossenen Moral der Geschichten. Es geht uns dabei nicht um Popklassiker oder Megahits (also nicht „All you need is love“), die bereits vom Publikum mit Klischees und Erinnerungen verknüpft sind, sondern um zeitgenössische Popsongs, von denen wir uns eine höhere Eigenständigkeit in ihrer Aussage und gegenüber dem gesprochen Text erwarten.
Markus&Markus:
Polis3000: Turicum – Allein im Oppidum
In der Paradiesstrasse 45 befindet sich das Pflegezentrum Entlisberg. Dort sind Demenzkranke untergebracht. Alte Menschen, die aufgrund ihres geistigen Zustands Hilfe brauchen, sich nicht wehren können. Ein 60-sekündiges Video, das von zwei Pflegerinnen mit einer Handy-Kamera gedreht wurde, zeigt erschütternde Aufnahmen. Eine 88 Jahre alte Frau liegt nackt am Boden neben dem Bett und wird von den Pflegerinnen misshandelt und gedemütigt. Sie veröffentlichten das Video im Internet und verbreiten es mittels CDs. Es handelt sich hier um Folter und Sadismus.
Richard van Dülmen, Professor für Neue Geschichte, beschreibt solche Praktiken und Rituale in seinem Buch „Ars Moriendi“ und bezeichnet sie als „Theater des Schreckens“. Doch wie sensibel sind wir für solche Geschehnisse? Schauen wir diesem Theater gerne zu oder schauen wir weg? Was geschieht eigentlich in Zürcher Pflegeheimen? Alternde Menschen sind mit ihren Problemen, in einer zunehmend von elektronischen Informationsmedien geprägten Welt, meist allein gelassen und hilflos. Diese Menschen stehen im Mittelpunkt unserer theatralen Skandalagentur. Wir glauben, dass Skandale, wie die Folterung einer Demenzkranken Frau im Zürcher Pflegeheim Entlisberg, eine Öffentlichkeit brauchen. Wir werden uns daher mit Betroffenen zusammensetzen und vor Ort die Mangelsituation recherchieren und daraus Theater machen.
Das Ziel von Polis3000 kann man in einem Satz zusammenfassen: Die Katharsis ist unser Auftrag! Durch unsere Form von Theater wird ein Prozess in Gang gesetzt, an dessen Ende eine theatrale Entladung stattfindet, die eine klärende Reinigung der Krise zur Folge hat. Dies entsteht durch Anschauen und Mitmachen. Die Betroffenen befreien sich aus der hilfloswutschürenden, unkontrollierten Zuschauerrolle und werden zu gezielten Autoren, Initiatoren, wie Agitatoren ihres medial-theatralen Skandals. Wir integrieren ebenso Klinikpersonal, Klinikleitung und Presse in unsere Inszenierung. Polis3000 fungiert hierbei als Medium. Markus& Markus sind die Mediatoren. Durch unsere Agentur wird der Skandal aus dem Pflegeheim visualisiert – inszeniert –
kanalisiert und somit ein gesellschaftsrelevantes zeitgenössisches, politisches Theater geschaffen.
Aus realen Anlässen und Materialien zeichnen wir ein vielgestaltiges Bild des Vorgangs. Es entsteht ein reales Ereignis mit theatralem Mehrwert. Das vierte Gebot lautet: „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ Zählt der alttestamentarische Respekt vor dem Alter heute nichts mehr? Ist die Folterung im Pflegeheim Entlisberg ein Einzelfall? Oder befriedigen die von den beiden Pflegerinnen gedrehten Videos, die im Menschen verborgene Sehnsucht nach einem „Theater des Schreckens“?
cobratheater.cobra:
Rhizom
Wir stellen uns eine Bühne vor, auf der sich jetzt endlich und final eine Materialschlacht entfalten kann - selbstbewegende Vorhänge, dazwischen kriecht Nebel über den Bühnenboden, Blätter im Wind, Ventilatoren, Bäume, Schnee. Der Geruch von Kaffee. Dazwischen spielen Kinder. Das Müllstück – Opulenz. Etwas wird aufgegeben, etwas Neues wird an diesem Abend gerettet werden. Entgegen des Trends zur Stringenz.
Auftritt: Ein Schweizer Sennenhund, als Cobra verkleidet. Der Hund kämpft mit seiner Haut. Währenddessen Auftritt der Stimmen aus dem Müll: Martin Grünheit verkleidet als Hannelore Kohl. Die Maske täuschend echt. Sie spricht ins Mikrophon: „Liebt euch wie der Rosa rote Panter.“ Das Licht im Zuschauerraum geht langsam, aber unaufhörlich an. Über den Zuschauern schwebt Wanja van Suntum. Im Marienkäferkostüm - ein Engel der Geschichte. Er sinkt hinab auf die Zuschauer. Plötzlich alles Schwarz. Der Marienkäfer und Hannelore improvisieren. Hannelore am Tasteninstrument und der Marienkäfer: „Ich bin nicht DJ Alligator, aber...“ Juliane Hahn kommt mit ihrer Mutter an der Hand auf die Bühne. Sie führen ein Interview, und Juliane versucht Rhizom zu erklären. Das Gespräch zwischen Hahn und der verheirateten Schranz, geschiedenen Hahn, geborenen Hausmann driftet in gegenseitige Vorwürfe ab. Dann Schweigen.
Wie Miteinandersein? cobratheater.cobra ist an einem Raum interessiert, in dem es keine ideale Situationen gibt, keine ideale Perspektive, keinen Zugriff. Aber Gewaltausbrüche, keine Integration mehr, keine Dichotomie, aber Vorübergehendes. Wir suchen nach der Autorität der Intensität, nach dem ineinander Verschlungenen. Wir stellen eine unausgewogene Gruppe zusammen, mit dem Ziel gegenseitiger Relativierung. Das einzig verbindende Element: das Miteinander. Und ein Text: Rhizom, ursprünglich das Vorwort zu Tausend Plateaus von Gilles Deleuze und Félix Guattari. Das Rhizom ist eine Form des Wildgewächses, ohne festen Baumstamm, feste Wurzel. Eine Form des Denkens, das von der ständigen Verknüpfung von Intensitäten, Maschinen und Bewegungen spricht, anstelle von Wesenheiten. Die Schrift ist ein Pamphlet und wir wollen es benutzen. Wir werden davon ausgehen, um von und als Gruppe zu erzählen, wie wir uns zur Vielheit machen.
Wir versuchen eine Verflachung der Hierarchien in der Wahrnehmung zu erreichen. Wir gestehen endlich ein. Geben die Vielheit zu. Wir bewegen uns. Wir deterritorialisieren uns hin zur/m Anderen, Fremden. Der Übergang, das Noch-Nicht, das Begehren, das Werden.
3.4. Spielplan
Die folgenden Monatspläne für den Oktober und November 2013 sollen eine Übersicht über die Zusammenstellung der Formate und Inszenierungen liefern. Die Happenings sind nicht aufgeführt, weil sie erst, wenn überhaupt, am Tag davor angekündigt werden. Im Weiteren werden noch die Premieren der weiteren Inszenierungen angekündigt.
Datum Veranstaltung Format Informationen
Mo 30.09.
Di 01.10.
Mi 02.10.
Do 03.10.
Fr 04.10. Eröffnungsevent:Wiedergeburt Event Alle Spielstätten
Sa 05.10. Eröffnungsevent: Wiedergeburt Event +
PREMIERE: Die Nibelungen El Klassiko Regie: Sebastian Nübling, Saal
So 06.10. Eröffnungsevent: Wiedergeburt
Mo 07.10. Morgengymnastik im Park Freizeitspass
Di 08.10. Die Nibelungen
Mi 09.10. Die Nibelungen + Rendez-vous Déjà-vu
Do 10.10.
Fr 11.10. PREMIERE: Österreichisch-Ungarische Inszenierung
Nordpolexpedition vorschlag:hammer, Saal
Sa 12.10. Ö.-U. Nordpolexpedition
So 13.10. Ö.-U. Nordpolexpedition + Rendez-vous Déjà-vu
Mo 14.10.
Di 15.10. Konzert: Kammermusik Molto Ambiente Restaurant
Datum Veranstaltung Format Informationen
Mi 16.10. Schwimmen in der Limmat Freizeitspaß
Do 17.10. PREMIERE: Blick am Abend – Stethoskop Chorgasse
Schubert packt ein Rendez-vous Déjà-vu
Fr 18.10. Blick am Abend
Sa 19.10. Die Nibelungen
So 20.10. Die Nibelungen
Mo 21.10. Thai-Massage Freizeitspaß
Di 22.10. Die Nibelungen
Mi 23.10. Blick am Abend
Do 24.10. PREMIERE: Südafrika Labor Welt Theaterlabor
Fr 25.10. Südafrika
Sa 26.10. Südafrika
So 27.10. Lesung Molto Ambiente Saal
Mo 28.10.
Di 29.10. Ö.-U. Nordpolexpedition
Mi 30.10. Ö.-U. Nordpolexpedition
Do 31.10. Zoo Freizeitspaß
Fr 01.11. PREMIERE: Rhizom – Deleuze/Guattari Inszenierung cobratheater.cobra, Saal
Sa 02.11. Rhizom
So 03.11. Rhizom + Rendez-vous Déjà-vu
Datum Veranstaltung Format Informationen
Mo 04.11. Schiffsrundfahrt auf dem Zürichsee Freizeitspaß
Di 05.11.
Mi 06.11. Talk Molto Ambiente Restaurant
Do 07.11.
Fr 08.11. Rhizom
Sa 09.11. Rhizom
So 10.11.
Mo 11.11. PREMIERE: Die Moschee auf dem Neum. Stethoskop Saal
Di 12.11. Sternwarte Urania Freizeitspaß
Mi 13.11. Die Moschee auf dem Neumarkt
Do 14.11.
Fr 15.11. PREMIERE: Glühlampe Labor Neumarkt Theaterlabor
Sa 16.11. Die Moschee auf dem Neumarkt
So 17.11.
Mo 18.11. Konzert Molto Ambiente Restaurant
Di 19.11. Glühlampe-Glimmlampe
Mi 20.11. Glühlampe-Glimmlampe
Do 21.11. Origami Freizeitspaß
Fr 22.11. Rhizom
Datum Veranstaltung Format Informationen
Sa 23.11. Rhizom
So 24.11. Rhizom
Mo 25.11.
Di 26.11. PREMIERE: Alice im Wunderland + Weihnachtsmärchen
Hinter den Spiegeln
Mi 27.11. Christkindlmarkt Freizeitspaß
Alice im Wunderland + Weihnachtsmärchen
Hinter den Spiegeln
Do 28.11. Alice im Wunderland + Weihnachtsmärchen
Hinter den Spiegeln
Fr 29.11. PREMIERE: Intuitus absolutus Inszenierung machina eX, extern
Sa 30.11. Intuitus absolutus Inszenierung
Alice im Wunderland + Weihnachtsmärchen
Hinter den Spiegeln
So 01.12. Alice im Wunderland + Weihnachtsmärchen
Hinter den Spiegeln
Die weiteren Premieren der Inszenierungen:
13.12. Polis3000: Turicum –
Allein in Oppidum (Markus&Markus)
14.02. Tell Wilhelm I‘m Wondering (James & Priscilla)
21.03. Fort Yuma (Schießbühne)
Weitere Events:
03.03. – 05.03. Fastnacht
18.04. – 20.04. Spring Break
04.07. – 06.07. Sta bain
4. Organisation des Hauses
4.1 Personal
Das Intendantenensemble übernimmt die zehn Posten, die bisher auf die künstlerische Gesamtleitung aufgeteilt waren. Es wird in den Bereichen Direktion, Dramaturgie, Regie und Performance arbeiten. Ein festes Schauspielensemble wird es nicht geben. Die Beschäftigung von SchauspielerInnen, Bühnen- und KostümbildnerInnen erfolgt über kontinuierliche Gastverträge.
Wir planen mit einem Stab von festen AssistentInnen zu arbeiten, die Produktionen begleiten und einzelne
organisatorische Aufgaben des Hauses übernehmen. Alle anderen Angestellten der technischen Abteilungen und der Verwaltung werden ihre Arbeit am Theater Neumarkt fortsetzen können. Besonderen Wert legen wir auf eine eng mit dem Intendantenensemble zusammenarbeitende Marketing-Abteilung. Zusätzlich wird eine neue Stelle für Dokumentation und künstlerische Foto- und Videoarbeit geschaffen. Die Stelle der Kaufmännischen Geschäftsführung werden wir ausschreiben.
4.2 Kooperationen
Übersicht
Bisher bestehende Kooperationen des Theater Neumarkt, z.B. mit dem Theaterclub, sollen beibehalten werden. Darüber hinaus stellt sich für uns die Frage, wie sich das Theater Neumarkt über die Landesgrenzen der Schweiz hinaus weiter vernetzen kann, um zum einen internationalen Ausblick auf die Möglichkeiten von Theater zu bieten, als auch unsere eigenen Ästhetiken und Arbeitsweisen von einem entfernten Aussen bereichern zu lassen.
Publikum
Der Theaterclub begleitet das Theater Neumarkt seit 40 Jahren. In diesen 40 Jahren ist es dem Club unter anderem gelungen, sich mit anderen Theatervereinen der Stadt Zürich zu vernetzen. Es bestehen bereits Verbindungen, in denen das Publikum einen Austausch über Theater praktiziert. Diese Praxis wollen wir weiter ausbauen.
So versuchen wir eine Verknüpfung des Theaterclubs mit dem Netzwerk Junger Europäischer Zuschauer herzustellen. Hier denken wir an eine Zusammenarbeit mit der Kuratorin Anne Kersting, die dieses Netzwerk im Rahmen des LIVEArt Festivals 2009 auf Kampnagel Hamburg gegründet hat. Es bringt Zuschauer zusammen um Bühnenkunst zu besprechen und sucht neue Formen und Strukturen den Zuschauer kuratorisch wirkend in das Theater einzubinden. Denkbar wäre das Modell eines „ZürcherZuschauerFestival“, das von den jeweiligen Vereinen der Theater gemeinsam organisiert wird.
Internationales
Wir wollen eine Kooperation mit dem
Institut DAS Arts Amsterdam initiieren, in der es um die Zukunftsvisionen von europäischem und internationalem Theater gehen soll. Ein bereits bestehender Kontakt zu TheatermacherInnen aus beispielsweise Weissrussland (Conigac-Theater Minsk und Theater Mogilev) soll ausgebaut werden.
Theaterpädagogik und Schule
An der ZHdK gibt es die Studiengänge Kunstvermittlung und Theaterpädagogik. Es wird von unserer Seite eine enge Zusammenarbeit angestrebt. Das Theater Neumarkt kann hier für bestimmte Kooperationen der Studiengänge mit Schulklassen als Praxispartner zur Verfügung stehen. So könnte es ein Modellprojekt „Patenklassen“ geben, bei dem Studierende der ZHdK eine Schulklasse betreuen, die Pate für eine Inszenierung am Theater Neumarkt steht. So könnte diese Klasse bei öffentlichen Proben dabei sein, um die Produktion dramaturgisch zu begleiten. Das führt die Klasse in Theaterprozesse ein, schult die Wahrnehmung der SchülerInnen und bereichert die Produktionen. Die Rolle der Studierenden wäre es, die Schnittstelle zwischen Theater und Schule zu bilden, die die Klassen auf die jeweiligen Produktionen vorbereitet und Probenbesuche organisiert.
4.3 Finanzen
JAHRESBUDGET
Personalaufwand
10x Direktion à 8 000 CHF monatlich 1 040 000 CHF
1x Kaufmännische Geschäftsführung à 8 000 CHF monatlich 104 000 CHF
17x Technische Abteilungen à Ø 6 870 CHF monatlich 1 518 570 CHF
3x Künstlerische Assistenz à 5 000 CHF monatlich 195 000 CHF
3x Presse / Marketing / KBB à Ø 6 870 CHF monatlich 267 930 CHF
1x Dokumentation à 6 870 CHF monatlich 89 310 CHF
1x Bar und 1x Kasse à 5 000 CHF monatlich 130 000 CHF
9 SchauspielerInnen/GastkünstlerInnen à 9 Monate à 5 000 CHF 405 000 CHF
+ deren Abendgagen 6 Vorstellungen à 9 Monate à 450 CHF 218 700 CHF
BühnenbildnerInnen (für 9 Produktionen und 3 Events) à 6 000 CHF: 72 000 CHF
KostümbildnerInnen (für 9 Produktionen und 3 Events) à 6 000 CHF: 72 000 CHF
Einmalige Gastregie El Klassiko plus Anhang 47 000 CHF
2 Fremdproduktionen: Gastregie plus Anhang 84 000 CHF
4 Gäste für Labor Welt à 6 000 CHF 24 000 CHF
Ø 5 Gäste à 1 500 CHF für 9 Stethoskope 67 500 CHF
SUMME 4 331 010 CHF
Produktionsaufwand
6x Inszenierung 90 000 CHF
5x Labor Neumarkt 20 000 CHF
4x Labor Welt 20 000 CHF
1x El Klassiko 30 000 CHF
9x Stethoskop 54 000 CHF
9x Molto Ambiente 18 000 CHF
4x Event 80 000 CHF
2x Cuntravent 40 000 CHF
18x Happening 9 000 CHF
30x Rendez-vous Déjà-vu 22 500 CHF
SUMME 383 500 CHF
Mietkosten 440 000 CHF
Betriebsaufwand 160 000 CHF
Anschaffung und Ersatz 100 000 CHF
Versicherung, Schutz, Rettung 40 000 CHF
Büro und Verwaltung 250 000 CHF
Werbung 360 000 CHF
TOTAL 6 064 510 CHF
5. Zusammenfassung
Wir bewerben uns mit einer Vision für die künstlerische Direktion des Theater Neumarkt in Zürich, die den Anspruch hat, die Möglichkeiten eines Stadttheaters künstlerisch und strukturell neu auszubilden.
Dafür erfinden wir den Begriff Intendan-
tenensemble als Idee eines Teams von Theaterschaffenden, das die kuratorischen und künstlerischen Aufgaben gemeinsam übernimmt, Regie führt, auf der Bühne steht und sich insbesondere der Stadt zur Verfügung stellt. Wir suchen einen Ort, an dem wir jenseits fixierter Strukturen künstlerisch produktiv werden können um Theater zu einem lebendigen Ort in der Stadt werden zu lassen. Wir haben Formate entwickelt, um unser Vorhaben zu realisieren: Repertoire bildende Eigen- und Gastinszenierungen, experimentelle Theaterlabore und einmalige Grossveranstaltungen. Darüber hinaus legen wir einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit dem Stadtraum Zürich und seinen BewohnerInnen. Dem wollen wir außerdem über Kooperationen eine aussereuropäische Perspektive gegenüberstellen.
Das Theater Neumarkt verstehen wir als idealen Ort für unser Vorhaben, da es wie kaum ein zweites Haus im deutschsprachigen Raum eine Tradition besitzt, auf künstlerischer wie struktureller Ebene immer wieder neue Formen zu entwickeln.
Als Intendantenensemble bewerben
sich Anna Fries, Martin Grünheit,
Kristofer Gudmundsson, Juliane Hahn,
Gesine Hohmann, Yves Regenass,
Markus Schäfer, Wanja van Suntum,
Jasper Tibbe und Markus Wenzel.
6 Anhang
6.1 Kurzbiografien der Mitglieder
des Intendantenensembles

Anna Fries (*1986 in Basel) studiert seit 2006 Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Vor ihrem Studium war sie Spielerin am Jungen Theater Basel, wo sie mit Sebastian Nübling und Rafael Sanchez zusammenarbeitete. Während des Studiums absolvierte sie Praktika an den Münchner Kammerspielen (dort Zusammenarbeit mit Barbara Weber) und in der künstlerischen Leitung des Festivals Theaterformen in Hannover. Ausserdem war sie als Theaterpädagogin tätig und erarbeitete mit der Gruppe HOWEI für Menschen mit geistiger Behinderung Inszenierungen. Sie arbeitete in zahlreichen freien Theaterproduktionen als Performerin, Dramaturgin und Regisseurin und ist Mitglied bei Schießbühne und machina eX.

Kristofer Gudmundsson (*1986 in Lörrach) studiert Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Hier war er als Darsteller, Dramaturg und Regisseur in verschiedenen Konstellationen tätig. Seit 2009 arbeitet er kontinuierlich mit der Theatergruppe vorschlag:hammer, mit der er 2010 die Jurypreise des Körber Studio Junge Regie und des 100° Berlin gewann. Theaterheute-
Chefredakteur Franz Wille nominierte ihn daraufhin zum Nachwuchsregisseur des Jahres. Zuletzt produzierte er mit vorschlag:hammer am Ballhaus Ost in
Berlin.

Martin Grünheit (*1987 in Gera) studierte von 2007 bis 2009 Szenische Künste an der Universität Hildesheim und studiert seit 2009 Schauspieltheaterregie an der HfMT Hamburg. Zuvor war er als Spieler und Regisseur in der Theaterfabrik Gera tätig und wurde dort als Regisseur von „Schöner Kind sein“ (2007) zum Theatertreffen der Jugend in Berlin eingeladen. 2008 gründete er mit Juliane Hahn und Wanja van Suntum cobratheater.cobra und inszenierte für das Theaternetzwerk in Hildesheim, Hamburg und Trier. Für März 2012 ist er zu einer Gastregie an das Theater Mogilev in Weissrussland eingeladen.

Juliane Hahn (*1987 in Gotha) studiert seit 2007 Szenische Künste an der Universität Hildesheim. 2008 gründete sie mit Wanja van Suntum und Martin Grünheit das Netzwerk cobratheater.cobra unter dessen Label sie verschiedene Produktionen realisierte. Seit 2007 assistiert sie neben dem Studium bei den Theatergruppen Rimini Protokoll und Andcompany&Co. Von 2008 bis 2010 war sie Teil des Organisations- und Kuratorenteams des INSTANTfestivals, einem Austauschfestival für Gießener und Hildesheimer Theaterstudierende. Derzeit leitet sie am Hebbel am Ufer das 100° Berlin Festival 2012.

Gesine Hohmann (*1986 in Erfurt) studierte von 2006 bis 2007 Ethnologische Wissenschaft in Hamburg und seit 2007 Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim. Seitdem spielt und konzipiert sie Theater und andere Aufführungen, u. A. mit dem Stadtraumprojekt Bobby Zielinski, im cobratheater.cobra und bei der Gruppe vorschlag:hammer, deren Stück „Vom Schlachten...“ zur Inszenierung des Jahres beim Berliner Theatertreffen nominiert wurde. Zurzeit leitet sie ein medienpädagogisches Projekt für GrundschülerInnen und bereitet mehrere Theaterproduktionen vor, von denen eine im Rahmen des Theaterfestivals transeuropa 2012 in Island produziert wird.

Yves Regenass (*1982 in Basel) ist diplomierter Primarlehrer. Nach einer dreijährigen Unterrichtstätigkeit in Frenkendorf und Birsfelden (BL) und der Arbeit als freischaffender Theaterpädagoge am Theater Basel, studiert er seit 2007 Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Neben diversen künstlerischen Arbeiten für Theater 11. August, Theater Kormoran, und yuri500 ist er Gründungsmitglied des Theaterkollektivs machina eX, mit dem er 2011 zum Impulse-Festival eingeladen wurde. Er leitete theaterpädagogische Projekte in der Schweiz, Deutschland, Uganda und Südafrika, u. A. für das Projekt SPRACH-FLUSS des Goethe-Instituts Johannesburg. Im Sommer 2009 erhielt er einen Lehrauftrag für das Theater- und Medieninstitut der Universität Hildesheim. Ausserdem ist er Vater dreier Kinder.

Markus Schäfer (*1983 in Reutlingen) studiert seit 2006 Szenische Künste an der Universität Hildesheim. Zuvor gehörte er zum Ensemble TheaterTotal in Bochum. Zu seinen theaterpädagogischen Tätigkeiten zählen die Inszenierung der Theaterstücke der 12. Klasse an der Rudolf Steiner Schule Düsseldorf 2006 und 2008. Es folgten Regiearbeiten in Hildesheim, insbesondere mit den Theatergruppen Schießbühne und Markus&Markus. Er ist Vorsitzender des Theater Schießbühne e.V. und Gründungsmitglied des Vereins „Braumeister e.V.“, der die private, traditionelle, regionale Bierkultur unterstützt und gegen die Monopolisierung des Bieres wirkt.

Wanja van Suntum (*1986 in Duisburg) studiert seit 2007 Szenische Künste an der Universität Hildesheim. 2008 gründete er mit Juliane Hahn und Martin Grünheit das Netzwerk cobratheater.cobra unter dessen Label er verschiedene Produktionen realisierte – u. A. mit Juliane Hahn, Martin Grünheit, Markus Wenzel, Gesine Hohmann, Kristofer Gudmundsson, Jasper Tibbe, einer Mülheimer Schulklasse, türkisch-deutschen-chinesischen-kurdischen-polnisch-libanesischen nicht-professionellen Darstellern, politischen Flüchtlingen aus Iran, Tim Staffel und SchauspielschülerInnen der Theaterakademie Hamburg.

Jasper Tibbe (*1986 in Braunschweig) studiert seit 2007 Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Vor seinem Studium war er Gitarrist und Sänger in diversen Bands und Regisseur von einigen Kurzfilmen. Für die Junge Presse Niedersachsen e.V. und die LKJ Niedersachsen gab er Video- und Schreibworkshops für Jugendliche. In Hildesheim war er Performer in zahlreichen inner- und ausseruniversitären Theaterprojekten und Regisseur bei den Theatergruppen Waidwerk, James & Priscilla und cobraanker.cobra. Ausserdem absolvierte er Regiehospitanzen bei Schorsch Kamerun und Andreas Kriegenburg. Derzeit organisiert er die Gastspielreihe cobrahannover.cobra beim Pavillon und der Theaterwerkstatt Hannover und arbeitet an der Theaterproduktion „Argelès-sur-Mer“.

Markus Wenzel (*1988 in Leipzig) studiert seit 2009 Szenische Künste an der Universität Hildesheim. Zuvor sammelte er Erfahrungen in theaterpädagogischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an Schulen und Vereinen und in der Produktion, Organisation und Regie von Kindertheaterinszenierungen. Er arbeitete als Regieassistent am Schauspielhaus Leipzig (u. A. bei Konstanze Lauterbach und Armin Petras), betreute als Assistent Spielfilmproduktionen und arbeitete als Inspitient bei Open-Air-Theaterspektakeln. In Hildesheim führte er Regie bei „Dschamila“ nach Tschingis Aitmatow und engagiert sich in freien Theaterkollektiven wie cobratheater.cobra oder Markus&Markus. Momentan leitet er die interkulturelle Theatergruppe Türkisch-Deutsches Theater Hildesheim.
6.2 Vorstellung der Gruppen und eine
Auswahl bisheriger Theaterprojekte
6.2.1 vorschlag:hammer
vorschlag:hammer mischt Erzähltheater mit performativen Darstellungsstrategien in einer ganz eigenen Form, die das Liveerleben zwischen Zuschauern und Darstellern in der Einzigartigkeit jeder Aufführung immer in den Vordergrund stellt. Die Arbeitsweise von vorschlag:hammer ist eine kollektive, in der es eine dynamische Rollenverteilung gibt. Die Fragen der Inszenierung werden gemeinsam beschlossen, die unterschiedlichen Funktionen zwischen Beobachten und Darstellen werden in jedem Probenprozess aufs Neue entworfen. Dieser changiert zwischen gemeinsamen dramaturgischen und inszenatorischen Überlegungen und Improvisation.
vorschlag:hammer gründete sich 2009 für die Produktion „Vom Schlachten des gemästeten Lamms und vom Aufrüsten der Aufrechten“. Die Inszenierung wurde auf zahlreichen Festivals im deutschsprachigen Raum gezeigt und 2010 mit den Jurypreisen beim Körber Studio Junge Regie am Thalia Theater in Hamburg, sowie beim 100° Berlin im HAU ausgezeichnet. Zudem war sie unter den nominierten Inszenierungen für das Berliner Theatertreffen 2011. Die Nachfolgeproduktion „Tears in Heaven“ hatte 2011 Premiere am Berliner Ballhaus Ost.
Bisherige Projekte
Tears in Heaven
Eine Produktion von vorschlag:hammer in Kooperation mit dem Ballhaus Ost und der Zürcher Hochschule der Künste. Gefördert durch die Körberstiftung.
Outnow! Festival, Schwankhalle Bremen
Festival der Künste, Zürich
Fleetstreet, Hamburg
In einer Raumstation schweben Forscher über einem scheinbar intelligenten Planeten, mit dem die Menschen seit Jahrzehnten versuchen, Kontakt herzustellen. Auf der Station kommt es zu seltsamen Vorkommnissen. Unerwartete Gäste erscheinen. Die Auseinandersetzung mit dem Fremden stürzt die Forscher in die Krise und wird für uns zur zentralen Untersuchungsstelle. Das Unvermögen des menschlichen Verstandes, Andersartiges zu begreifen, wird dem Fremden in uns selbst gegenübergestellt. Nach Motiven aus Stanislaw Lems Roman „Solaris“.
Vom Schlachten des gemästeten Lamms und
vom Aufrüsten der Aufrechten
Jurypreis Körber Studio Junge Regie, 2010
Jurypreis 100° Berlin, 2010
Vorgeschlagen für das Berliner Theater-
treffen 2011
Auawirleben! Festival, Bern
Fleetstreet, Hamburg
ITs Festival, De Engelenbak, Amsterdam
Kaltstart Pro, HausIII&70, Hamburg
Wo die Darmkrankheiten der Schafe wichtiger sind als die Herzleiden der Frauen und wo der unstillbar melancholische Mob aus sektiererischen Patrioten seine lieben Nachbarn am liebsten an den Hochfrequenzlaternen auf dem Weg zur Arbeit baumeln sähe, vegetieren John und Bjartur. In „Vom Schlachten des gemästeten Lamms und vom Aufrüsten der Aufrechten“ werden zwei Romanfiguren, der eine aus Halldor Laxness’ „Sein eigener Herr“, der andere aus Tristan Egolfs „Monument für John Kaltenbrunner“, nebeneinander gestellt in einer Parallelmontage, in der die Geschichten von Selbstverwirklichung und Rebellion in experimentellem Erzähltheater untersucht werden.
Presse
„Keine Frage, dass die guten Geschichten und das wirkliche Leben bei Laxness/Stock und Egolf/Hohmann die schönen Hollywood-Dramaturgien und amerikanisch-handlungsaktiven Lebensphilosophien ganz en passant aus den Angeln heben. Wie nebenbei jonglieren Gesine Hohmann und Stephan Stock (und ihr regiedramaturgischer Mitstreiter Kristofer Gudmundsson) auf mehreren Ebenen schauspielerischer und performativer Darstellung, bedienen sich zwanglos, wo sie etwas brauchbares finden – von den Romanvorlagen bis zu Spike Jonzes „The Adaptation“ -, unterminieren mit einfachsten Mitteln und einer Menge Charme erfolgreich alle vermeintlichen Storytelling-Rezepte, unterlaufen alle Kategorien – ob Regietheater, Schauspielertheater oder Performance – und erfinden sich ihre Form für eben das, was sie in dieser Form erzählen wollen. Dabei nimmt dieses Projekt (…) mit dem epischen Titel „Vom Schlachten des gemästeten Lamms und vom Aufrüsten der Aufrechten“ das Publikum ernst, ohne es überfahren oder einlullen zu wollen, und hält es auch nicht für so blöd, dass man ihm alles erklären muss..“
(Franz Wille, Theater Heute, Mai 2010)
„Was die beiden Akteure da veranstalten, in dem sie immer wieder die Rollen, die Stimmen, die Bewegungen wechseln und mit einem Arsenal dünner Bretter provisorische Häuser bauen und eintreten und Scheiterhaufen und Barrikaden errichten, ist schön, komisch, anrührend und atemberaubend.
Die verschlungenen Handlungswege und Schicksalskatastrophen der beiden Romane dienen letztlich vor allem dazu, eine unbändige Freude am Spiel zu entfachen: Hinreissend interpretierte Typenkomik wechselt sich mit Verzweiflungsgebrüll und urkomischen Pantomime-Verfolgungsjagden ab, und die Lebensenergie eines jeden Moments lässt sich mit Händen greifen. „
(André Mumot, Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 17.11.2009)
„Dieses junge Hildesheimer Performancekollektiv Vorschlag:Hammer hat mit dem Sieg bei Körber Studio Junge Regie 2010 erstmals auf sich aufmerksam gemacht und dabei gleich mal untermauert, dass eine neue, starke Off-Talentschmiede neben den seit Jahren etablierten Angewandten Theaterwissenschaften Giessen entstanden ist. Die praxisorientierten Kulturwissenschaften Hildesheim, aus denen auch die Gruppe Turbo Pascal hervorgegangen ist, kommen weniger theoriegesättigt daher, dafür alltagssensibel erzählerisch. Ihre genretypisch locker assoziierenden Abende wirken immer mal wieder wie Lectures auf einer Sommerakademie. Die Erkenntnis leuchtet zwischen Schäfchenwolken.“
(Christian Rakow, Nachtkritk, über „Tears in Heaven“, April 2011)
6.2.2 cobratheater.cobra
cobratheater.cobra versteht sich als mehr als ein Netzwerk und ist nicht weniger als ein Label. cobratheater.cobra ist kritisch mit sich, offen für Neues und wächst, indem sie Differenz bewahrt. cobratheater.cobra ist ein aus sich heraus wachsender Zusammenhang von (Theater-, Kunst-, Musik-, Film-, Kultur-) schaffenden, die in verschiedensten Konstellationen aufeinandertreffen, sich kritisieren, austauschen und miteinander arbeiten.
Die bisher ca. 30 Mitglieder von cobratheater.cobra haben die Möglichkeit sich für Kunstvorhaben jeglicher Art, den Namen cobra….cobra zu geben. Auch wenn an einem solchen Projekt NichtmitgliederInnen beteiligt sein sollten. Durch eine solche Zusammenarbeit eröffnet sich auch diesen Projektteilnehmerinnen, mit dem Namen cobratheater.cobra produktiv zu werden.
Jede cobraproduktion.cobra stellt sich der Kritik anderer cobramitgliederInnen, die an diesem konkreten Projekt nicht beteiligt sind. Diese Kritik wird dann im Rahmen der jeweiligen Aufführungen öffentlich gemacht. Sie kann als Text an das Publikum verteilt werden, oder als Bühnengeschehnis in Erscheinung treten. Dementsprechend weitgefasst sind die möglichen Formen des kritischen Theaterdiskurses, auf den cobratheater.cobra abzielt.
Die Arbeitsweisen und ästhetischen Ansätze, die in einem solchen Rahmen möglich sind, sind nicht festgelegt und bewusst uneindeutig. Im Arbeitszusammenhang Juliane Hahn – Martin Grünheit – Wanja van Suntum geht es um die Frage wie eine widersprüchliche Sicht auf und in Welt zum Theater führt. Sie hat die Auseinandersetzung mit disparatem Material zur Folge, die verschiedenen Intensitäten und Ideen untereinander, den dazu kommenden Fremden und Freunden und dem Fremden, in den Körpern, in der Improvisation und dank Text. Aus dieser Kakophonie entstehen szenische Abfolgen, die Vielstimmigkeit und Polemik vereinen.
www.cobratheatercobra.com
Bisherige Projekte (Auswahl)
Deutschland. Ein Bilderbuch
Premiere: 24.09.2010, Skatehalle Trier-West, Trier-West
Deutschland, was ist das eigentlich? Kartoffeln, Nazis und Abwrackprämie? Die Produktion „Deutschland - ein Bilderbuch“ setzte sich mit der Frage nach nationaler Identität auseinander. Anstatt mit SchauspielernInnen wurde mit nicht-professionellen SpezialistInnen gearbeitet: mit Menschen aus Trier, die das Bedürfnis haben, sich spielerisch und künstlerisch mit eigenen und fremdbestimmten Identitätsbildern auseinanderzusetzen.
Es entstand ein Theaterabend, der sich zwischen Gesellschaftskritik, Autobiographie, Tanz, Selbstaffirmation im Gegensatz zum Nationalstaat, den Trierer Chorfreunden, ausländerfeindlichen Witzen, Maskenspiel und Feminismus bewegte.
L to the L to the L(angeweile)
Teilnahme am 150%-Festival im Monsun-Theater, Hamburg
Teilnahme am Outnow-Festival in der Schwankhalle, Bremen
Zwei Theateraufführungen nach Georg Büchner hintereinander. Um zu fragen, wie zwei Gruppen zueinander stehen, wie Büchner zu sich selbst. Zuerst „Lenz“. In ruhigen Bildern, mit hoher Dichte entstand vor den Zuschauerinnen ein Panorama der fragilen Psyche Lenz´ aus der Perspektive Büchners und der auftretenden Schauspieler. Parallel zu dem Entwurf der Persönlichkeitsfragmente, stellten sich die drei Performer dem Publikum vor. Sie entwarfen sich vor dem Publikum, sie setzten sich ins Verhältnis.
Danach „Leonce und Lena“ oder „Unsere Langeweile ist wichtiger als Deutschland.“, wie der zu Anfang vorgeschlagene Alternativtitel lautete. Wie Büchner im Text, fragten sich die auftretenden Schauspielerinnen, nach der Frage: „Was will ich eigentlich? Ausgestattet mit dem Privilegium und dem Raum diese Frage nicht abschliessend und schnell beantworten zu müssen“. Daraus entwickelte sich eine freie Improvisation, stimmlich erst, dann im freien Bühnenraum, anlässlich jeder aktuellen Aufführungssituation. Um danach, nach der Improvisation, im dritten Akt, bei Büchner, wieder auszukommen: „Ei Lena, ich glaube, das war die Flucht ins Paradies!“.
Presse
„Dem Schauspielkollektiv gebührt das Verdienst, dem Betrachter die Existenz längst überwunden geglaubter Aversionen gegen alles Fremde auf humorvolle Weise nahe zu bringen. Dabei – so eine Botschaft des Stückes – ist es die Verantwortung der hochgebildeten Zuschauer, diesen durch Politik und Medien manipulierten Menschen aktiv dabei zu helfen, sich des völlig falschen Feindbildes „Ausländer“ zu entledigen, statt sich genüsslich über deren vermeintliche Dummheit zu amüsieren und in den Feuilletons lieber so zu tun, als sei der Traum von der multikulturellen Gesellschaft bereits verwirklicht.“
(Christian Baron, über “Deutschland. Ein Bilderbuch”, www.hunderttausend.de, 27.09.2010)
„So sehr sich Lenz noch an den Originaltext hält, bewegt sich Leonce und Lena sehr bewusst davon weg. Mit eindrucksvollen Bildern und eigentlich nicht vorhandenem Dialog, ist es kreativ, mutig und eher eine freie Performance als ein Stück. Das Stück zeigt sich minimalisiert, kondensiert, aber eben nicht nur auf das Wesentliche. Vor allem ist es dekonstruiert, zerfetzt und zusammenhangslos, aufbauend auf Improvisationskunst und dem Auskosten des Moments.“
(Corinna Gerhards, über “L to the L to the Langeweile”, http://outnowfestival.wordpress.com/, 05.06.2011)
6.2.3 machina eX
machina eX überträgt Computerspiele in die Realität. Statt mit Bildschirm und Tastatur wird mit Räumen, Objekten und Schauspielern gespielt. Zuschauer werden zu Spielern, die sich die Geschichten eigenständig erschliessen. Dabei wachsen sie als Gruppe zusammen und lösen gemeinsam die Rätsel des Spiels. machina eX macht theatrale Point ‘n Click -Adventures in hyperrealistisch ausgestatteten Räumen und kontrastiert die klassischen Mittel des Illusionstheaters mit der Interaktivität von Computerspielen.
machina eX ist ein Kollektiv aus neun Theatermachern, Gamedesignern und Technikern.
www.machinaex.de
Bisherige Projekte
15‘000 Gray
Uraufgeführt beim 100° Festival, 24. bis 27.02.2011 im HAU, Hebbel am Ufer, Berlin. Gewinner des 100° Jury Preises und ausgewählt für das Best OFF - Festival Freier Theater der Stiftung Niedersachsen. Ausserdem Einladung zu zahlreichen Festivals: You Are Go Festival Berlin, MS Dockville Kunstcamp Hamburg, Theater Festival Impulse, Schlimm City Mülheim (Auswahl).
Mobiles Point n‘Click Adventure
Ein Labor. Ein gefesselter Mann. Eine tickende Bombe. Der Professor hat eine bahnbrechende Entdeckung gemacht. Doch das Wissen droht in die falschen Hände zu geraten. Wo ist der Code für die Bombe und wer sind eigentlich diese beiden Assistentinnen? Die Zuschauer müssen sich den Raum und die Geschichte erspielen, in dem sie die Rätsel lösen und die Welt retten. Oder zumindest den Professor.
crypt(A)
Uraufgeführt am 11.11.2011 im Kunstverein Hannover im Rahmen des hub:kunst.diskurs.
Installatives Spiel in einem verwinkelten Keller
Ein verschollener Wissenschaftler hinterlässt der Nachwelt sein Lebensprojekt: eine künstliche Intelligenz, die er lehren wollte, menschlich zu sein. Ist es ihm gelungen? Die Zuschauer rekonstruieren die verlassene Wirkungsstätte des Forschers und bringen seine Erfindung wieder zum laufen.
Maurice
Uraufgeführt Juli 2010 auf der Mackensen Kaserne in Hildesheim.
Abendfüllendes ortsspezifisches Game.
Ein Haus voller Erinnerungen. Eine wirre junge Dame, die in ein Krankenhaus eingeliefert wird. Ein seltsamer Hausmeister und ein krankes Mädchen, das gern Krieg spielt. Sirenen und ein Haufen unsortierter Erinnerungen. Die Zuschauer müssen die Geschichte rekonstruieren und Anika helfen, sich zu erinnern.
Presse
„Die Perfektion dieser Situationen, die machina eX ihrem Publikum bietet, ist neben dem enormen Spassfaktor die grosse Qualität dieses jungen Performancekollektivs. Denn es gelingt ihm ganz nebenbei, dass sich der Zuschauer weder ausgestellt oder genötigt fühlt zu partizipieren, sondern sich ohne weitere Bedenken auf die Spielsituation einlässt. Vielleicht ist das das Resultat des intimen Rahmens (…) – Oder aber auch schlicht grosses Illusionstheater…”
(Kuratorin Tamina Theiss im Programmtext des Theater Festival Impulse 2011)
“Aufwendig präpariert [machina eX] ganze Gebäudetrakte mit Requisiten, Lautsprech- ern, Sensoren und Computertechnik, um ein reales Adventure-Game zum Durchlaufen zu erschaffen. [...] Flexibilität und die Offenheit verleihen den “Machina eX” Inszenierungen ihren Reiz. Sie gehören fraglos zu den am konsequentesten konzipierten Verbindungen zwischen Game und Theater.“
(Daniel Kringiel; GEE #59 & Spiegel Online)
“Das intelligente, rhythmisch konzentrierte Spiel zieht uns in Bann, wir erforschen den Raum und beobachten uns gegenseitig, und unser eigenes Verhalten. Machina eX überzeugt durch ein neu gefundenes Format, eine Kombination aus Live-Computerspiel und raum- spezifischem Theater, das die Zuschauer in ehrgeiziges Agieren versetzt und zur Selbstre- flexion anregt. Mit diesem komplexen, integrativen und frischen Konzept findet die Gruppe einen neuen Weg der modernen Kommunikation und eine neue Form des Entertainments.”
(Jury des 100° Festivals im Hebbel am Ufer, Berlin anlässlich der Preisverleihung.)
6.2.4 James & Priscilla
Die Theatergruppe James & Priscilla beschäftigt sich mit aktuellen Tendenzen in Theater, Film und Popmusik. Sie erzählt Geschichten, die aus Film und Popmusik stammen und arrangieren Erzählweisen dieser Medien als Theater. Ziel der gemeinsamen Arbeit ist die Portraitierung aktueller gesellschaftlicher Tendenzen und die Erzeugung einer zeitgemässen Form von Pathos.
Bisherige Projekte
Badlands
2010 – Theaterhaus Hildesheim
Badlands ist eine Theaterproduktion nach dem gleichnamigen Film des US-amerikanischen
Regisseurs Terrence Malick aus dem Jahr 1973. Die 15-jährige Holly flieht mit dem 25-jährigen Kit vor der Polizei durch den Mittleren Westen der USA. Als Erzählerin der Geschichte schildert Holly die jugendliche Unbekümmertheit und Isolation der beiden Protagonisten in der Leere und Einsamkeit der Landschaft.
Mit einem Dia-Projektor als einzige Lichtquelle, selbstgemachten Dias und Musik der englischen Pop-Band The Good, The Bad & The Queen haben James & Priscilla diese Geschichte auf die Bühne übertragen. Die PerformerInnen Imke Axmann und Martin Schnippa agieren mit einem entspannten, leisen Sprechen des Textes und dem immer wieder neuen Anordnen von Gegenständen und sich selbst im rechteckigen Dia-Projektor-Lichtraum. Bestimmend bei der Inszenierung ist zudem das Nebeneinander von eingespielter und selbst performter Musik.
End of a Century
2011 – Theaterhaus Hildesheim
Fusion Festival
Flare Festival, Manchester
Theaterfestival Hilde an der Sihl, Zürich
Die Inszenierung End of a Century kombiniert Popsongs von Bands wie Portishead, Devendra Banhart, Blur und Cold War Kids mit Fragmenten aus Tennessee Williams’ Drama Endstation Sehnsucht aus dem Jahr 1947. Die vier PerformerInnen Hannah Kunrath, Clara Minckwitz, Felix Scheer und Henning Schlüter verkörpern nur über das Agieren als MusikerInnen, SprecherInnen und über szenische Handlungen die vier Hauptfiguren des Dramas. So erzählen James & Priscilla in einer Mischung aus Konzert, szenischer Lesung und performativen Theaterelementen sowohl mit der Textgrundlage als auch mit den Popsongs Geschichten von Liebe, Treue und dem Aufeinanderprallen von Werten und Lebensentwürfen.
Presse
„Präsenz ist hier ohnehin alles, das Auskosten von Momenten, von purem Dasein. […] Und so ist die Geschichte von Holly und Kit schwer romantisch, hoffnungslos und ungemein poetisch. Sie findet auf einem anderen Planeten statt, wo keine echten Menschen herumlaufen und wo Schüsse niemanden treffen. Ein Bühnenillusion bloss – aber eine sehr, sehr schöne.“
(André Mumot, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 14.04.2010)
„Es ist hier ein ganz eigener Stil entwickelt worden, eine bezwingende Möglichkeit, literarische Texte wie Lieblingslieder zu zelebrieren, abgeklärt und sentimental zugleich.“
(André Mumot, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 16.04.2011)
„The performers are deadpan, they don’t play at being deadpan, they simply are. This creates great resonance in isolated moments of action that actually reference the piece. [...] Each time significant, but somehow not in reference to the story, but to the action, to the dynamic, to the treatment of the play, and their denial of it’s demands. Deeply engaging and fascinating.“
(Jodean Sumner, Flare Festival Paper, 05.07.2011)
6.2.5 Markus&Markus
Markus&Markus sind ein Performer-Duo. Polis3000 ist ihre theatrale Skandalagentur, eine neue Generation des politischen Theaters. Aus realen Anlässen und Materialien entsteht ein reales Ereignis mit theatralem Mehrwert. Die Differenz zwischen Zuschauern und Darstellern, aktiven und passiven Teilnehmern der Aufführung wird dabei aufgehoben.
Markus&Markus präsentieren Aufführungen, die sich zwischen Neo-Agit-Prop, Dokumentartheater in der Tradition von Erwin Piscator, Lecture-Performance und Punkoper bewegen. Sie arbeiten mit Videoeinspielungen, recherchierten Texten, selbst generiertem Material und live vorgetragenen, unbearbeiteten Statements von Bürgern. Diese Materialien werden zu einer Collage, in der die Bühnensituation nahtlos mit der Realität verschmilzt.
www.markusundmarkus.at
Bisherige Projekte
Polis3000: αὐτονομία
Premiere: 28. Oktober 2011 – Theaterhaus Hildesheim
In „doppelplatin;“ setzten sich Markus&Markus mit der alltäglichen Korruption in Deutschland am Beispiel von Carsten Maschmeyer (Gründer des AWD-Konzerns) auseinander. Sie richteten dabei den Fokus insbesondere auf die Verleihung des Ehrendoktortitels an Maschmeyer durch den Präsidenten der Universität Hildesheim. Gegen beide erstatteten Markus&Markus Anzeige, was eine politisch-ethische Diskussion modernen Mäzenatentums und der Finanzierungsmöglichkeiten einer Stiftungsuniversität in der regionalen Presselandschaft und in der städtischen Öffentlichkeit auslöste.
An dieser Diskussion beteiligten sich Markus&Markus indem sie in jeder folgenden Aufführung auf den aktuellen Stand der Debatte Bezug nahmen. Daraus entwickelten sich sukzessive die theatrale Skandalagentur Polis3000 und die Inszenierung „αὐτονομία“.
Presse
„Das szenische Resultat ist ein atemberaubendes Schnellfeuer-Agit-Prop, das in seinem aufreizenden, hemmungslosen Aktionismus nach herkömmlichen Begriffen des Theaters kaum zu bewerten ist. (…) Das ist konfrontativ, es artet aus, und es ist, wie sehr vieles hier, echt. (…) Die Grenze des „Hier hört der Spass auf“ ist auf unbestimmbare Zeit niedergerissen worden, die daraus resultierende Freiheit ist erschreckend und erhellend zugleich. Fest steht: Wer dabei war, wird es nicht vergessen.“
(Hildesheimer Allgemeine Zeitung über „doppelplatin;“, 22. März 2011)
6.2.6 Schießbühne
Schießbühne ist eine freie Theatergruppe, der neben Anna Fries und Markus Schäfer der Choreograph Michael Hess, Absolvent des Studiengangs Bühnentanz der Folkwang Hochschule Essen, angehört. Die Gruppe entwickelt in enger Zusammenarbeit mit professionellen, jugendlichen und geistig behinderten SchauspielerInnen Geschichten an der Schnittstelle zwischen Tanz und Theater.
Jedem Projekt von Schießbühne geht ein ästhetisches Tabula Rasa voraus. Der zu erzählende Stoff, sei es ein literarischer Klassiker oder ein zu Literatur gemachtes Internetforum, bildet jeweils den Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Darstellungs- und Bewegungsmodi. Am Narrativ erforschen wir die Erzählmöglichkeiten der gleichberechtigten Ebenen von Körper und Wort. Hierbei ist der Aspekt der Vermittelbarkeit wichtig: Schießbühne erzählt sinnlich erleb-, empfind- und erfahrbare Geschichten.
www.schiessbuehne.de
Bisherige Projekte (Auswahl)
solo nr. 5 - oder: der ordner brennt
Premiere am 19.10.2010 in der Mackensen Kaserne Hildesheim
Tanztheater-Stückentwicklung zu elektronischer Musik, basierend auf einem Internetforum.
„solo nr. 5“ beschäftigt sich mit einem real existierenden Forum, in dem sich anonymisierte Einzelgänger austauschen und solidarisieren, sich zusammenschliessen, um alleine zu bleiben. Es erzählt von einer fragilen Gemeinschaft von Einzelgängern. Das Stück macht unsichtbare Figuren sichtbar, verleiht ihnen für einen kurzen Moment einen Körper, um sie dann wieder in den abstrakten Weiten ihrer virtuellen Welt verschwinden zu lassen.
Der Menschenfeind oder der verliebte Melancholiker
Premiere am 27.1.2010 in der Kulturfabrik Löseke
Choreographierte Erzählung nach Molières Drama.
“Der Menschenfeind” ist eine Zusammenarbeit zwischen Schießbühne und HOWEI, der traditionsreichen Hildesheimer Theatergruppe geistig behinderter Menschen. Die zwölf SchauspielerInnen erzählen mit vollem Körpereinsatz in humorvollen Bildern Alcestes moralisches Dilemma.
Presse
„Die drei Schauspieler erreichen eine Intensität, wie man sie wahrlich nicht oft geboten bekommt. (…) Am Ende steht ein rauschhafter Applaus, dem man immer auch etwas von der Fassungslosigkeit über das eben Erlebte anhören kann.“
(Hildesheimer Allgemeine Zeitung über „Messer in Hennen“, 22. Oktober 2007)
„Dieser kleine, vor Kreativität geradezu überschäumende „Demetrius“-Abend zerschreddert nichts. Er verbeugt sich vor Schiller, vor seiner Literatur und wird, was noch viel anrührender, noch begeisternder ist, zur Hymne auf das Theater als Lebenselixier.“
(Hildesheimer Allgemeine Zeitung über „Demetrius“, 02. Mai 2009)
„Der Theatergruppe „Schießbühne“ ist ein herrlich surreales und doch sehr greifbares Stück Theater gelungen.“
(Hildesheimer Allgemeine Zeitung über „solo nr.5“, 21.10.2010)
6.3 Kommende Spieltermine
2. bis 4. Dezember 2011
Argelès-sur-Mer (cobraanker.cobra =
cobratheater.cobra)
Burgtheater Domäne Marienburg, Domänenstrasse, 31141 Hildesheim
16./17. Dezember 2011
Argelès-sur-Mer (cobraanker.cobra =
cobratheater.cobra)
Theaterwerkstatt Hannover, Lister Meile 4, 30161 Hannover
27./28. Januar 2012
Vom Schlachten des gemästeten Lamms und vom Aufrüsten der Aufrechten (vorschlag:hammer)
Theaterwerkstatt Hannover, Lister Meile 4, 30161 Hannover
Februar 2012
Polis3000: αὐτονομία (Markus&Markus)
100° Berlin, Hebbel am Ufer
April 2012
Das neue Spiel „the gray game pt 2“ feiert im HAU Berlin Premiere (machina eX)
April 2012
Voraussichtliche Premiere der neuen Produktion von vorschlag:hammer am Ballhaus Ost Berlin.
11. bis 15. April 2012
The Love Below (James & Priscilla)
Theaterhaus Hildesheim, Langer Garten 23c, 31137 Hildesheim
Ende April/ Anfang Mai 2012
15‘000 Gray ist zum Donaufestival Krems eingeladen (machina eX)
Juni 2012
machina eX wird für die Weltausstellung des HAU Berlin auf dem Tempelhofer Flughafen eine installative Performance zeigen.
28./29. November 2012
2012 – citius, altius, fortius (Schießbühne)
Weststadthalle, Essen
6.4 Referenzen
Laurent Chétouane
Regisseur, Choreograph, Theaterwissenschaftler, Ingenieur, Münchner Kammerspiele, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Nationaltheatret Oslo
laurentchetouane@hotmail.com
Anne Kersting
Ehem. Tanzdramaturgin auf Kampnagel Hamburg, Gründerin des Netzwerks
Junger Europäischer Zuschauer, Kuratorin Live Art Festival 2009
anne.kersting@kampnagel.de
Prof. Dr. Hajo Kurzenberger
Theaterwissenschaftler, Regisseur,
Dramaturg, Theater Neumarkt Zürich, Schauspielhaus Zürich
+49 (0)7251 3221234
Prof. Dr. Annemarie Matzke
Theaterwissenschaftlerin, Performancekünstlerin, Mitglied des Theaterkollektivs She She Pop, Autorin
+49 (0)5121 883671
Sebastian Nübling
Regisseur, Kulturwissenschaftler, Schauspieler, Theater Basel, Staatstheater Stuttgart, Berliner Theatertreffen 2002 und 2007
sebastiannuebling@web.de
Prof. Dr. Jens Roselt
Theaterwissenschaftler, Dramaturg, Autor, u. A. Münchner Kammerspiele, Volksbühne Berlin, Wiener Festwochen
+49 (0)5121 883673
Prof. Dr. Wolfang Schneider
Kulturwissenschaftler, Kulturpolitiker,
Kulturförderer, ASSITEJ-Präsident,
Mitglied Internationales Theaterinstitut, bis 2007 Mitglied der Enquête-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestags
+49 (0)5121 883624
Das Intendantenensemble
c/o Yves Regenass
Goebenstr. 9
31135 Hildesheim
+49 (0)5121 2819393
intendantenensemble@online.de
Das Intendantenensemble für
das Theater Neumarkt
Bewerbung für die Direktion
ab Spielzeit 2013/2014
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